Urban Art und Pop Art | Galerie Kronsbein
Urban Art und Pop Art | Galerie Kronsbein
Urban Art und Pop Art | Galerie Kronsbein

Galerie Kronsbein macht von Dienstag, den 1. August bis Dienstag, den 29. August 2017 Sommerpause.

Urban Art  in der Galerie Kronsbein

Über Urban Art

Der Begriff "Urban Art" bezeichnet eine zeitgenössische Kunstströmung. Sie umfasst nach heutigem Stand der Forschung als Überbegriff einige Kunstrichtungen wie "Street Art", "Graffiti" wie "Post-Graffiti" und wird oft irrtümlich in synonymer Bedeutung zu diesen verwendet. Da "Urban Art" auch weitere, nicht immer zusammenhängende Aspekte beinhaltet, steht ihre Definition noch zur theoretischen Debatte.
Eine inhaltliche, formale wie geographische Vielfalt ist ein Wesensmerkmal der Kunstrichtung "Urban Art" und verbirgt somit ein breit gefasstes Kreativ-Feld ihrer Protagonisten. "Urban Art" zeichnet sich auch durch eine Teilüberschneidung mit der "Kunst im öffentlichen Raum" - sowohl in einer legalen/beauftragten als auch in antipodischer illegalen/selbstautorisierten Prägung. Doch nicht immer, denn der längst erfolgte Einzug von "Urban Art" in den Museums-, Galerie- sowie Privatbereichen und die damit verknüpfte, künstlerische Produktion sind eine bedeutende Sparte dieser Kunstströmung. Besonders Letzteres führte zur Anerkennung von "Urban Art" als Stilphänomen der Hochkunst und zu einer immer intensiveren Auseinandersetzung damit als Forschungsgegenstand vieler wissenschaftlichen Disziplinen.
Ein weiteres Merkmal von "Urban Art" ist die enorme mediale Verbreitung, die stets für ihren Bekanntheitsgrad zusätzliches beiträgt.

Die Ursprünge der "Urban Art" liegen im "Graffiti". Als Begriff stammt "Graffiti" aus dem 19. Jahrhundert und leitet sich von den griechischen und italienischen Worten für Kratzen und Schreiben her. Bezogen auf die Wandkritzeleien im Pompeji wurde die Bezeichnung jedoch noch nicht in der Antike verwendet. In dieser Bedeutung versteht man meist gekratzte oder geschriebene, lesbare Ego-Botschaften auf Wänden als Sprüche, Parolen, Slogans und Eigennamen, die von der Antike bis heute ihren Wirkungsraum sehr oft auch außerhalb der Straße beanspruchen – eine Anekdote berichtet von der Wucht solcher Botschaften, die Stalin sogar auf einer Toilette einholte. 
Unter "Graffiti Writing" fällt die zweite Bedeutung, die sich ab den 1960ern in USA breit machte. Dies bezeugt, dass der Terminus "Graffiti" älter ist als der Dachbegriff "Urban Art". Von nun an ging es bei dem Schreiben des eigenen Namens weniger um die Botschaft weit mehr um die Quantität, die Qualität oder der Stil, sogar um die Verbindung aller. Bei der technischen Ausführung wird zwischen Sprühdosen und Textmarker unterschieden. Die Dose wird meist für Bilder und handwerkliches Können "Pieces" angesehen, der Marker für Quantität "Tagging". Eingeweihte wissen aber, dass "Tagging" in hochwertiger Ausführung im Sinne sehr qualitativ, was Komplexität betriff an "Kalligrafie" oder "gestisch-abstrakter Malerei" herankommt, denn es erfordert Wissen in diesem Feld, um den Tag zu verstehen -  im Gegensatz zu figurativen Ausführungen, die seit Jahrtausenden die menschliche Erfahrungswelt prägen und mit diesen symbolhaft an die Interpretationen angekoppelt werden. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass bei beiden Bedeutungen von "Graffiti" der Namen, das Schreiben in Stil, Quantität wie Qualität als primäre Intention stehen: ich lebe, ich bin hier... Der Ort ist nicht nur die Straße, sondern kann überall sein – somit auch "Urban Art".

Ganz im Gegenteil, wie der Name selbst verrät, handelt es sich um die "Street Art". Sie ist ortbezogen. Weiterer Unterschied verbirgt sich hinter dem Primus künstlerischer Tätigkeit von "Street Artists", hinter der Art der Vermittlung der Botschaften –  sie erfolgt via Bilder oder verständlich vorgetragene Texte. Kontroverse Meinungen herrschen auch innerhalb der Reihen der Protagonisten dieser Kunstrichtung, was das Zwei-Wort-Zusammensetzung des Begriffs betrifft. Einige verstehen ihre Schöpfung mehr als Anti-Art, in diesem Sinne mehr von Street, andere hingegen mehr als Art resp. Hochkunst. Dies bleibt stets im Einzelfall überprüft zu werden, was die Aufgabe der Wissenschaftler und Kritiker nicht leichter macht. Genauso Uneinigkeit lässt sich bei der Bedeutung der Street Credibility feststellen. Besteht ein Teil der Protagonisten beharrlich auf die Selbstautorisierung ihrer Produktion auf der Straße, sehen sich manche gar nicht der Notwendigkeit zunächst Street Art gegen Regeln zu betreiben – sie lassen sich beauftragen oder erst gar nicht dort auftreten – dritte machen beides. Street Art wurde zunächst in den Medien geprägt, auch Urban Art gab es, bevor man sich wissenschaftlich damit auseinanderzusetzen begann. Post-Graffiti kursiert ebenso, ist aber bei näherer Betrachtung weniger ergiebig, da Graffiti nach wie vor existiert.

Zu den Techniken der Urban Art gehören also Tags, Designs, Writings, Pochoir (fr.) / Stencil (engl.) / oder als Schablone (de) bekannt, Aufkleber, Plakate, Skulpturen, Instalationen und viele mehr. Als Besonderheit des  Writing gilt durch die Platzierung im urbanen Leben von Zeichen zugleich als Überschreitung der Grenzen der Zweidimensionalität, ähnliches festzustellen bei Stencils durch rohe Figuren. Somit gehört zu den Bildstrategien der Urban Art die Verbindung zwischen den Vorstellungsbildern des kollektiven Gedächtnisspeichers und oft scheinbar weit entfernten Wirklichkeiten, die unumgänglich zu neuen Botschaften führen. Es handelt sich um eine neuartige Bildwerdung durch das Aufgreifen bereits bekannte künstlerische Konzepte, die neue Wirkung erzeugen und den Zeitgeist widerspiegeln. Daneben entstehen Porträts, Szenen mit politisch- und sozialkritischen Aussagen, aus fantastisch anmutenden Welten, konstruktivistische Kompositionen und vieles mehr als Murals, Originale auf Leinwände, Siebdrucke und Skulpturen. Anhand dieser vollzieht sich der Transformationsprozess „von der Straße zur Kultur“.

Chronik:

1941
Die Anfänge vom Graffiti vermutet in der Zeit des Zweiten Weltkriegs: Kilroy, ein Arbeiter in einer Bombenfabrik in Detroit, schrieb „Kilroy was here“.

1949
Die Erfindung der ersten Aluminium-Sprühdose durch Edward Seymor.

1967
Taki183 hinterlässt sein Tag, somit unterscheibt er mit seinem Pseudonym in 5 New Yorker Bezirken – Wände, Züge, Briefkasten sowie Treppenhäusern dienen als Träger.

1971
Am 21. Juli veröffentlicht die New York Times einen Bericht über Taki183 und seine Nachahmer, was eine Tag-Welle auslöst.

1972
Anti-Graffiti-Gesetz des New Yorker Bürgermeisters.

1972
Hugo Martinez gründet die New Yorker Verkaufsorganisation United Graffiti Artists (UGA), somit motiviert er Sprayer, Bilder auf Leinwände zu malen und organisiert daraufhin eine Ausstellung.

1972
Phase2 gilt als einer der ersten, der seinen Namen im „Bubble Style“ schreibt – das heißt er verwendete runde, blasenhafte Buchstaben und neue Symbole, „Designs“ genannt, die sein Tag verzieren. Designs sind beispielsweise Highlights, die kleinen Sternchen oder Lichtreflexen ähneln.

1974
Der Begriff „Wild Style“ wurde durch Tracy168 geprägt – ein neuer, schwer lesbarer Schreibstil, wobei die Buchstaben kompliziert verbunden sind.

1975
Das Jahr des ersten Wholecar, des ersten komplett mit Farbe besprühter Zugwaggon

1977
In Zürich tauchen die ersten Strichmännchen von Harald Naegli – der Sprayer von Zürich.

1978
Der Galerist Stefan Eins eröffnet die erste Graffiti-Art-Galerie „Fashion Moda Gallery“ in Südbronx.

1980
Keith Haring malt seine ersten Kreidezeichnungen in der U-Bahn in New York.

1981
Blek Le Rat ist einer der Vorreiter der Stencil-Kunst. Er sprüht kleine Ratten in die Straßen von Paris.

1982
Die Arbeiten von Keith Haring und Jean-Micheal Basquiat erobern die Galerien.

1989
Shepard Faireys „Obey Giant!“-Kampagne wird legendär. 

1998
Invader besetzt mit kleinen bunten Aaußerirdischen aus Mosaiken ganze Städte.

2000
Street Art wird legal. Festivals in Stavanger, Norwegen und Melbourne, Australien befördern die Entkriminalisierung der Street Art.

2005
Der britisch Sprayer Banksy avanciert zum weltweit bekanntesten Street Art-Künstler.

2007
Bereits in diesem Jahr erzielen Werke von Banksy in der Auktion von Sotheby’s sechststellige Euro-Ergebnisse.

2008
Die Ausstellung „Street Art“ in der Tate Modern in London zeigt die weltweit führenden Urban Art-Künstler.

2009
Barack Obama wird Präsident der USA. Shepard Fairey entwirft die Wahlplakate für Barack Obama mit den Schriftzügen „Hope“ und „Change“.

2009
Die erste Street Art-Kunstmesse „Stroke“ findet in München statt.

2011
Das Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles die Ausstellung „Art in the Streets“.

2011
Die erste UrbanArt Biennale im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

2016
Die erste Solo-Ausstellung von Werken von Banksy in Deutschland überhaupt, Galerie Kronsbein.

2016
Die erste Solo-Ausstellung von Werken des Urvaters der Stencil-Kunst Blek Le Rat in Deutschland, Galerie Kronsbein.

2017
Die erste Ausstellung von Werken von STIK in Deutschland, Galerie Kronsbein.

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